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[blɒg] #002 – Dialog

7. Februar 2008

Der Fasching ist tot. Lang lebe der Fasching!! (frei übersetzt und adaptiert aus dem Französischen: „Le roi est mort, vive le roi!“)

Sehr geehrte Damen und Herren, willkommen zum zweiten Teil dieses elektronischen öffentlichen sinnfreien Gedanken-Tagebuchs. Wir beschäftigen uns heute mit dem Thema Fasching, denn wir haben ihn hinter uns gebracht, auch wenn dabei so manche graue Zelle ihr Leben lassen musste. Aber mit Verlusten ist zu rechnen. Um sich dieser Verluste noch bewusster zu werden als einem das lieb ist, hat irgendjemand ganz Schlaues mal die Fastenzeit erfunden. Tolle Sache! Endlich hat man mal Zeit, sich so richtig in den Arsch zu beißen, weil man sich bewusst wird, dass man innerhalb von drei oder vier Wochenenden zwei Monatsgehälter auf die andere Seite des Bartresens befördert hat auf diversen zweitklassigen Faschingsbällen seines Vertrauens. Doch man sollte sich eigentlich nicht ärgern, denn dem angetüdelten YMCA-Indianer, dem Bauern OHNE Frau (welche er eigentlich gesucht hätte laut Kostüm), der Bäuerin OHNE Mann (welche eigentlich den ganzen Abend hoffte von einem Bauern ohne Frau angesprochen zu werden) sowie der komatösen Playboy-Häsin mit aufgesteckten Ohren, Minirock und weißem Wollknäuelschwanz ist es neben einem an der Bar wahrscheinlich nicht recht viel anders ergangen. Vielleicht nimmt sich einer dieser ominösen Gestalten ja den Vorsatz in den anstehenden 40 Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag eben auf das zu verzichten, was sie während des Faschings so hemmungslos getan haben: …Verkleiden!! Statistiken gehen davon aus, dass 98,7 Prozent der Deutschen sich in der Fastenzeit nicht oder nur sehr selten verkleiden. Experten sprechen davon, dass diese Zahlen erschreckend seien und warnen vor den Folgen dieses Trends. Es komme zu einer Verrohung der Gesellschaft und der massenhaften Schließung von Spezialfachgeschäften für rote Faschingsgesichtsfarben. Schuld seien auch brutale Computer-Spiele wie „Tiger Woods PGA Tour“ und „Tetris“, deren skrupellose Macher in der Programmierung ihrer Software keinen Wert darauf legten, Spielcharaktere zwischen verschiedenen Verkleidungen wechseln zu lassen. Besonders Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene und insbesondere Senioren seien betroffen, da ihnen somit subjektive Wertvorstellungen vorgesetzt würden und ihnen eine neutrale Bewertung des Sinns einer Verkleidung während der Fastenzeit nahezu unmöglich gemacht wird. Die Interessensgemeinschaft zur Erhaltung des Verkleidungstriebs während der Fastenzeit (IgEVtFz) rief bereits zu Protests auf und drohte mit Warnstreiks im Personennahverkehr. Erste Reaktionen liesen nicht lange auf sich warten, nachdem zwünfunddrölfzig Mitglieder der IgEVtFz am heutigen Aschermittwoch für drei Stunden das WC des Regionalexpresses 3574 zwischen Sindelfingen und Gundelshausen vollständig blockierten, woraufhin sich die Bahnkundin Amilie Weinhaus (Name v.d. Red. geändert) beschwerte, da sie sich nur mal kurz „die Nase pudern“ wollte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO = World Hatschi Organisation) hat bereits in Kooperation mit dem Faschingsminister der rosa-bläulichen Koalition, Dr. Lars Dragel, eine Gesetzesnovelle beim Amtsgericht Rüsselsheim vorgelegt, in der die Aufnahme der Passage „Die Verkleidung des Menschen ist unantastbar“ in die internationalen Menschenrechte beantragt wird.

Die Bedeutung dieser Freiheit erkannte bereits der Begründer der Verkleidungs-Rechte-Bewegung, Neil Armstrong, als er sich im Juli des Jahres 1969 in einem Fernsehstudio als Raumfahrer verkleidete und dies mit folgenden Worten rechtfertigte: „That’s one small step for man, one giant leap for mankind.“

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